KI im öffentlichen Verkehr

AI4PT

Technologie-Reifegrad TRL 4
Anwendungsfeld Mobilität, Verkehr & Logistik
Komplexität
Wirkung
Machbarkeit

"Eine Verlagerung vom motorisierten Individualverkehr auf öffentliche Verkehrsmittel (ÖV) ist ein zentraler Hebel zur Reduktion von Treibhausgasemissionen. Neben den Ticketkosten zählen insbesondere Verspätungen, Überfüllung und eingeschränkter Komfort zu den wesentlichen Hemmnissen für eine stärkere Nutzung des ÖV.
AI4PT entwickelt datenschutzkonforme KI-Lösungen zur prädiktiven Analyse und Optimierung von Fahrgastverteilung und -flüssen im U-Bahn-Betrieb. Ziel ist es, bestehende Kapazitäten effizienter zu nutzen und die Attraktivität des öffentlichen Verkehrs insbesondere auf hoch ausgelasteten Strecken mit engen Fahrplänen zu steigern.
Ein zentrales Hemmnis für KI-basierte Anwendungen im ÖV ist die begrenzte Verfügbarkeit qualitativ hochwertiger und gleichzeitig datenschutzkonformer Daten. AI4PT adressiert diese Herausforderung durch die Kombination kosteneffizienter kamerabasierter Systeme mit integrierter Objekterkennung (SmartCams) und vorhandener Fahrzeugsensorik in U-Bahn-Wagen.
Auf dieser Datengrundlage werden prädiktive KI-Modelle für die Vorhersage der Zugbelegung sowie für die Optimierung des Passagierflusses entwickelt und in anwendungsnahen Proof-of-Concepts in Kooperation mit Wr. Linien evaluiert. Das AI4PT-System ist so ausgelegt, dass die entwickelte Architektur und die Modelle datenschutzgetreu auf weitere Fahrzeuge, Linien und urbane ÖV-Systeme übertragbar und skalierbar sind."

Praktischer Nutzen der KI-Technologie
Verbesserung der ÖPNV-Nutzung durch bessere Personenverteilung in den ÖPNV-Fahrzeugen

Anwender
ÖV Betreiber, Fahrzeughersteller und Mobilitätsanbieter

Gebiet
Österreich

KI-Technologie
Bilderkennung/Visuelle Inspektion, Digitaler Zwilling & simulationsgestützte KI, Nutzerverhaltenprognose

Datenkomplexität
Mittel

Energieverbrauch & Kosten Projektlaufzeit
Mittel

Rechtlicher Rahmen / Data Governance
EU-DSVGO, KI-VO, NIS-2

Übertragbarkeit
Gegeben

Implementierungsstrategie
"Während der Projektlaufzeit wird eine skalierbare Datenpipeline zur Erfassung, Vorverarbeitung und Analyse der Daten aus der vorhandenen Fahrzeugsensorik sowie der installierten kamerabasierten Systeme mit integrierter Objekterkennung (SmartCams) innerhalb eines U-Bahn-Wagens aufgebaut. Ziel ist die Datenverarbeitung weitgehend auf Edge-Systemen direkt im Fahrzeug durchzuführen, um Datenvolumen zu reduzieren, Latenzen zu minimieren und Datenschutzanforderungen bereits auf der Erfassungsebene zu berücksichtigen. Auf dieser Basis wird eine datenschutzkonforme KI-Architektur für den U-Bahn-Betrieb entwickelt, die eine integrierte Nutzung der heterogenen Datenquellen ermöglicht. Das Training der KI-Modelle erfolgt mittels Federated-Learning-Methoden, sodass sensible Rohdaten lokal auf den jeweiligen Systemen verbleiben und ausschließlich modellrelevante Parameter ausgetauscht werden. Auf Grundlage der entwickelten prädiktiven KI-Modelle werden zwei Proof-of-Concepts (PoCs) implementiert und anhand realer Daten aus einem Wiener U-Bahn-Wagen evaluiert: • Vorhersage der Zugbelegung: Durch die Kombination von Fahrzeugsensordaten (z. B. Türzyklen, Fahrgastzähler) und anonymisierten Zählinformationen aus SmartCams werden zeit- und streckenabhängige Prognosemodelle zur Belegung von U-Bahn-Zügen entwickelt. Diese dienen als Grundlage für eine verbesserte Kapazitätsplanung und operative Entscheidungsunterstützung. • Optimierung des Passagierflusses: Kamerabasierte Objekterkennung liefert aggregierte Informationen zu Ein- und Ausstiegsbewegungen sowie zu Aufenthaltsmustern im Fahrzeug- und Bahnsteigbereich. In Verbindung mit FL-basiert trainierten Modellen werden daraus prädiktive Analysen und Handlungsempfehlungen zur Optimierung des Passagierflusses abgeleitet, etwa zur Reduktion von Stauungen und zur Verbesserung der Aufenthaltsqualität. Durch den Einsatz von Federated-Learning-Techniken wird sowohl die Einhaltung regulatorischer Datenschutzanforderungen als auch die Skalierbarkeit und Übertragbarkeit der entwickelten Lösung auf weitere Fahrzeuge, Linien und urbane ÖV-Systeme sichergestellt."

Lessons Learned
"Grundsätzlich hat sich die Annahme bestätigt, dass es im Bereich des öffentlichen Nahverkehrs einen Mangel an qualitativ hochwertigen Daten gibt, was ein großes Hindernis bei der Entwicklung von KI-Anwendungen darstellt. Die AI4PT-Strategie auf kostengünstige kamerabasierte Systeme mit integrierter Objekterkennung (SmartCams) in Kombination mit vorhandenen U-Bahn-Fahrzeugsensoren zu setzen ist entsprechend gerechtfertigt. In durchgeführten Gesprächen mit Stakeholder hat sich das Interesse an zuverlässigen Fahrgastprognosen bestätigt. Da das Projekt noch nicht abgeschlossen ist (Projektende: Dez 2026), liegen zum aktuellen Zeitpunkt noch keine Ergebnisse aus den PoCs vor."

Anbieter und Kontakt
AIT Austrian Institute of Technology mit Indicate Digital GmbH, Siemens Mobility Austria GmbH

E-Mail
jasmin.lampert@ait.ac.at

Weblinks
https://www.ait.ac.at/themen/data-science-artificial-intelligence/projekte/ai4pt