| Technologie-Reifegrad | TRL 6 |
| Anwendungsfeld | Strom- und Wärmenetze |
| Komplexität | |
| Wirkung | |
| Machbarkeit |
flexQgrid soll erneuerbare Energien maximal nutzbar zu machen, indem es die schnelle Integration neuer Erzeugungsanlagen oder Verbraucher ins Verteilnetz ermöglicht, indem resultierende Engpässe im Niederspannungsnetz erkannt und zielgerichtet behoben werden. Netztopologie, Messwerte und statische Informationen werden genutzt, um sogenannte Pseudo- Messwerte für jeden Knoten im Netz zu erzeugen. Hier wird beispielsweise in einem bestimmten Netzbereich der Anteil der gemessenen Netzlast, welcher auf ungemessene Lasten entfällt, anhand von statischen Informationen wie hinterlegten Standardlastprofilen und Jahresenergiebedarf verteilt. Mit einem Weighted-Least-Square-Verfahren werden im nächsten Schritt alle Messwerte und Pseudo- Messwerte mit dem elektrischen Modell abgeglichen und der wahrscheinlichste Zustand bestimmt. Somit erhält man für jeden Knoten und jeden Zweig im Netz eine Spannungs- bzw. Stromschätzung, auf deren Basis eine Grenzwert-Verletzung und somit ein Engpass erkannt werden kann. In einem nachfolgenden Schritt werden vom Netzbetreiber Quoten berechnet und an die Netzanschlusspunkte weitergegeben. Die Quotenberechnung wird alle 6 Stunden durchgeführt. Auch wenn die Quoten für 18 Stunden kommuniziert werden, sind nur die Quoten der nächsten 6 Stunden bindend, d.h. diese müssen eingehalten werden. Um die Quoten einzuhalten, können Flexibilitäten auf einem Sekundärmarkt in positive und negative Richtung gehandelt werden.
- Anwendung & Kontext
- Technologie
- Rechtlicher Rahmen
- Implementierung & Lessons Learned
- Anbieter & Kontakt
Praktischer Nutzen der KI-Technologie
"Maximale Nutzung lokaler, klimafreundlicher Energiequellen Schnellere Integration erneuerbarer Erzeugungsanlagen Vermeidung von Netzengpässen und Spannungsproblemen Wirtschaftlicher und stabiler Netzbetrieb Beitrag zur Reduktion von CO₂-Emissionen"
Anwender
Netzbetreiber, Verteilnetzbetreiber
Gebiet
EU
KI-Technologie
Digitaler Zwilling & simulationsgestützte KI, Prozessoptimierung
Datenkomplexität
Mittel
Energieverbrauch & Kosten Projektlaufzeit
Mittel
Rechtlicher Rahmen / Data Governance
EU-DSVGO, KI-VO, NIS-2, ElWOG2010
Übertragbarkeit
Gegeben
Implementierungsstrategie
Zur automatisierten Überwachung und Steuerung des Feldtestgebietes wurde der Netzregler der Smart Grid Plattform PSIngo (PSI Intelligent Grid Operator) weiterentwickelt. Dieser überwacht die Auslastung des Netzes auf Basis einer KI-basierten Netzzustandsschätzung. Hierfür stehen minütliche Messdaten aus den Ortsnetzstationen (bzw. teilweise auch abgangsscharf) sowie die Netzzustandsdaten aus den installierten intelligenten Messsystemen zur Verfügung. Um einen zu langen Zeitverzug zwischen Messwert-Eingang und Regler-Start zu vermeiden, wird alle 30 Sekunden auf Basis dieser Messwerte eine dreiphasige Zustandsschätzung durchgeführt. Die Schätzung des gesamten Netzes ermöglicht auch das Erkennen von Engpässen in der Tiefe des Netzes, z.B. eine Spannungserhöhung am Ende eines Stranges. In diesem Fall bekommen die angeschlossenen Netzanschlusspunkte eine sogenannte Quotenvorgabe als Rahmenbedingung, sprich welchen Anteil sie von der geplanten steuerbaren Leistung aus dem Netz beziehen oder einspeisen dürfen.
In den hinter dem Netzanschlusspunkt liegenden Gebäuden sind Gebäudeenergiemanagementsysteme installiert, welche die vorgegebenen Sollwerte erhalten. Sie sind direkt mit den Anlagen im Haushalt vernetzt und können lokal Anlagenmesswerte abrufen. Ihre Aufgaben umfassen die Steuerung und Optimierung der Haushaltsanlagen, die Erstellung prognostizierter Fahrpläne für die Anlagen sowie die Weitergabe des resultierenden Fahrplans am Netzanschlusspunkt an den Netzbetreiber. Sie handeln auch die Flexibilität zur weiteren Optimierung der Fahrpläne am Quoten-Sekundärmarkt und setzen die Sollwerte entsprechend um.
Lessons Learned
Proaktives Engpassmanagement hat das Potenzial, Engpässe frühzeitig zu erkennen und die Netzstabilität zu verbessern, die Prognosen und Netzzustandsschätzungen sind allerdings nach wie vor mit Unsicherheiten behaftet. Die Prognosen stellen daher immer ein Kompromiss zwischen Erkennungssicherheit und unnötiger Abregelung dar. Die Einführung von Sicherheitspuffern kann die Zuverlässigkeit der Engpassvorhersage erhöhen, führt aber gleichzeitig zu mehr falsch positiven Prognosen. Daher ist ein vorsichtiger Einsatz proaktiver Engpassmanagementmaßnahmen notwendig, insbesondere wenn verbindliche Quoten berücksichtigt werden sollen.
Anbieter und Kontakt
NetzeBW
E-Mail
https://www.netze-bw.de/kontakt
Weblinks
https://www.netze-bw.de/unsernetz/innovationen/flexqgrid
Methodenpool